Standardsätze und dummes Zeug

Veröffentlicht von

Liebe Freunde täglichen Treibens.

Hier bist du also wieder, drehst dich im Kreis und wirst linear irre. Auf der Kurve des Wohlbefindens stehen kleine Zeitpunkte und reichen dir Getränke, während du in Bestzeit an ihnen vorbeirauschst. Manche bekommen auch Bananen. Eine kleine Choreografie haben die Zeitpunkte einstudiert, und jedem, dem sie etwas zu essen oder trinken in die schweißnasse Hand drücken, rufen sie mit einer interessanten Drehung zu: „Für Dich, für mich, für alle, die gute Besserung wollen.“ Man möchte fast stehenbleiben, aber natürlich hast du etwas zu verlieren, deswegen läufst du weiter und bekommst die nächsten Zeilen nicht mit: „Haben wir schon eine Zeit ausgemacht? Nein, aber das Licht unseres Kontaktes. Kopf hoch und durch, jeder hinkt für sich alleine.“

Du bekommst es nicht mit, denn du bist schon wieder weg. Und überhaupt bist du dabei, das Wegsein als Kunstform zu etablieren. Ja, du überlegst schon, welche lieben Leute du zur Vermissage einladen möchtest und legst entweder Schweigemäntel oder Komplimentendecken über die maskenbesetzte Gegenwart. Vielleicht wirst du irgendwann alles verstehen, vielleicht möchtest du das aber auch gar nicht. Im Vorbeigehen fragt ein komischer Vogel, ob die Zukunft nicht viel besser sein wird. Du schüttelst den Kopf und weidest dich an seinem Erstaunen. Du schluckst das Wasser runter und der Tag dich. Du bist das „uff“ in Eufforie und findest deine innere Ruhe nicht. (Kommode im Flur, linke Schublade hinten.) Du bist wirklich völlig in Ordnung. Du bist atrraktiver als dein Problem, das beruhigt zumindest die nächsten fünf bis zehn Meter, bis der Alltag oder irgendwelche Standardsätze Frust vor die Füße werfen, weil nichts Besseres da ist. Du kommst aus dem Trott, das muss ja nicht schlecht sein, du Trottel. Erst schweigen, dann nichts sagen, später schlafen, das rät dir jede Zeit. Und während du auf der Matratze liegst, prinzipiell der Grundlage allen Schaffens, klopfen in regelmäßigen Abständen Gedanken aus ganz anderen Leben auf dein Mobiltelefon.

Im Schlaf wirst du wach, denn einige Zeitpunkte sind dir bis ins Schlafzimmer gefolgt. Nun stehen sie am Ende des Bettes, kitzeln dich am Fuß und singen: „Der kleine Zweifel Kasimir, der steht auf dich und hinter dir. Sein Atem riecht etwas nach Krise, und aus dem Zwerg wird schnell ein Riese.“ Gottseidank reicht diese Halluzination, um dich wieder in den Schlaf zu bringen, versorgt mit einer neuen Ration Zwischenweltirrsinn.

Auch am nächsten Tag wirst du jeden aufkommenden Faktenschock gut überstehen, ob gedankenlos oder gedankenverloren. Man muss mit der Zeit gehen, die einem bleibt. Und wenn man sich selbst im Weg steht, sind die Schatten am längsten. In diesem Sinne: bleib völlig in Ordnung, du Spinner.

Hier die Textverdunkelungen der letzten Wochen als visuelle Zusammenfassung jedweden Dramas.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.