Der Schatten im Spiegel

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Liebe Freunde malader Modernen.

Wenn man sich selbst im Weg steht, sind die Schatten am längsten.

Treffen sich zwei Textverdunkler. Sagt der eine: „Ich habe die Nase gestrichen voll.“ Darauf der andere: „Mir fehlen die Worte.“

Ja, das ist bedingt komisch, genau wie der neue Versuch misslungener Witzbildchen, den Benjamin und ich neulich gestartet haben. Besucht mal „Bedingt komisch“ auf Instagram oder Twitter oder wegen mir auch Facebook und findet das selbst heraus. Vielleicht streicht Ihr diese Information aber auch umgehend wieder aus Eurem Bewusstsein und bleibt fern von niveaulosen Nichtigkeiten. Vielleicht streichen wir auch bald wieder die Segel, denn der Weg nach oben bringt uns doch auch nicht weiter.

Richten wir unser Augenmerk also wieder auf die gestrichenen Wörter. Richten wir uns einmal mehr im allgemeinen Durcheinander der eigenen Phantasiegestalt behaglich ein und geben keine Auskunft über unsere Geistesverfassung. Bleiben wir auf angenehme Weise abstrakt und versuchen die Wirklichkeit mit unserer Scheinwelt zu beugen. Verschieben wir die Versuche der Weltbewältigung und vergessen die halbe Welt, weil: die Resultate sind am Ende eh immer falsch. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an das abgefuckte Kontingenzraster, das mit Sinnmaschine auf dem Rücken und mit Siebenmeilenstiefeln an den schlecht durchbluteten Füßen durch die mäandernde Welt humpelt und dabei unterwegs alle Erwartungshaltungen und Entscheidungszwänge, die auf dem Boden liegen, aufsammelt und in seinen Rucksack wirft. Und das sind einige.

Und was heißt das praktisch? Man könnte jetzt ganz im tocotronic’schen Sinne jeder Situation mit dem Egal-Kärtchen begegnen. Das mag kurzfristige Erleichterung des Marschgepäcks mit sich bringen, aber wem wäre damit mittel- bis langfristig geholfen? Da kann die eigene Seele noch so husten, wenn die Gesellschaft sozial, politisch oder ökologisch friert, muss man ihr einen Tee machen, ein Bad einlassen und sie schön zudecken. Also sollte das Ignoranz-Kärtchen mit Bedacht gewählt und gespielt werden. Wisst Ihr selber.

In diesem Sinne: hier die Textverdunkelungen der letzten Wochen. Bleibt bei der Sache, bleibt gut und seid den Gedanken ein schönes Erlebnis. Bleibt und werdet laut, wenn der Irrsinn der Welt Normalität zu werden droht. Nehmt nichts hin, habt und seid eine Stimme. Und in den Momenten zwischen den großen Augenblicken: übt Euch in schwerer Geduld.

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