Portfolio: Textverdunkelungen

Eine zweite Chance für alte Wörter: Textrecycling statt Altpapier.

Was macht man mit der Zeitung von gestern? Entsorgen. So landen Millionen Wörter im Altpapier, weil sie nutzlos geworden sind und nicht mehr gebraucht werden. Die andere Möglichkeit: Man gibt ihnen eine zweite Chance, ein neues Zuhause, einen neuen Sinn. Wahrt ihre Identität als Wörter und recycelt sie zu neuen Texten statt zu Klopapier. Gleiches gilt für alte Bücher, die ich auf Altpapiercontainern, in „Zu verschenken“-Kisten vor Hauseingängen oder auf Flohmärkten finde. Buchpapier hat eine ganz andere Haptik, und das Format ist schöner. Die meisten Miniaturen haben ein handliches A5-Format (ca. 15x20cm).

2010 habe ich „Blackout-Poetry“ für mich entdeckt, inspiriert durch die Newspaper-Blackouts von Austin Kleon und Tom Phillips, der mich mit seinem “Humument” extrem beeindruckt hat. Diese Blackouts sind keine Filmrisse, sondern Risse im Zusammenhang alter Texte. Ich nenne diese Satzminiaturen mit neuen Sinnzusammenhängen, die durch das Schwarzmalen entstehen, Textverdunkelungen. Hier im Blog, auf Facebook oder Twitter veröffentliche ich regelmäßig teilverdunkelte Texte. Der Prozess ist wie eine Buchstabenmeditation, das Ergebnis sind kompakte Konfusionsbeschleuniger, buchstabenbanale Irritationsmomente für das moderne Daunengehirn und Beihilfe für die persönliche Weltbewältigung.

Im Verlag GudbergNerger sind bereits zwei Bücher mit Textverdunkelungen erschienen (2013 und 2015).

Ein paar Beispiele: