Auf der Höhe

„Es gibt immer einen Grund für ein lautes ‚Scheiße‘, natürlich. Aber dennoch, ein Teil der Realität ist schön. Und ist es nicht am schönsten, wenn alles in Ordnung ist?“ Ziegler machte eine ausschweifende Handbewegung und grinste bis über beide Ohren.

„Was redest du denn da?“, fragte Zieglers Ungeduld, die hektisch mit den Fingern auf dem Tisch herumtippte und verständnislos zu Ziegler herüberblickte. Der aber ließ sich nicht beeindrucken, lächelte die Ungeduld aus seinem Leben und ging zur Tür.

„Moment mal!“, rief es da hinter ihm. Es waren seine Pläne, die Erledigung verlangten. „See you later“, singsangte Ziegler, knallte die Tür zu und ging raus Richtung Langeweile. Kurz vor dem Gartentor sprang seine Gewohnheit auf ihn und schlabberte ihm durchs Gesicht. Auch das brachte Ziegler heute nicht aus der Ruhe. Er streichelte der Gewohnheit sanft über den Kopf und sagte: „Warte einfach hier, während ich mich interessiert in eine neue Umgebung begebe!“

Ziegler wusste, er war nicht gerade ein Held der Wirklichkeit, aber der Kalenderspruch von heute hatte ihm eine Pipette voll Mut ins Hirn gespritzt. Ein letzter Blick zurück zum Haus, wo Gewohnheit, Pläne und Ungeduld noch immer fassungslos hinter ihm her blickten. Dann ging Ziegler schnellen Schrittes und mit stabilen Nerven den Hügel hinauf.

Ganz auf der Höhe lebt es sich höchst reizend, stand auf dem Kalenderblatt. „Auf der Höhe sein“, rief Ziegler und ergänzte halblaut: „So schön, solange man nicht am Kraterrand des Vielleicht steht.“ Er schritt voran, sein Rucksack war diesmal nicht vollgepackt mit Ungereimtheiten, sondern mit einer großen Freude – und dem Wunsch, sein Kopf möge ihn heute nicht beunruhigen. „Ich gehe jetzt lächeln“, sagte Ziegler, und das Atmen passierte ganz von alleine. Leise schmiegten sich die blättrigen Bäume im Wind. Ihr Rascheln war kilometerweit zu hören. Es klang der Sprache recht ähnlich. Es klang, als ob die Bäume rufen würden: „Mach`s wie Ziegler! Geh lächeln!“