Firlefanz

Ich sitze hier im Firlefanz,
mit Zweifeln im Gemüt.
Ich ziehe täglich neu Bilanz,
was knospt und was verblüht.
Und abends dann ein Hoffnungstanz,
der Endorphin versprüht.
Der Tag sagt „Ciao“ mit mattem Glanz,
er hat sich stets bemüht.

Gegenwartsdichte

„Mal sehen, was wir diesmal erwischen“, raunte die Gegenwart und langte mit dicken Pranken in die Wolke des Möglichen. Sie zog eine kleine Situation hervor, kaum größer als ein paar Sekunden, betrachtete sie gierig und stopfte sie sich in den Mund. „Heute wirst du den Gedanken ein schönes Erlebnis sein“, hörte man die Gegenwart noch schmatzen, als bereits die ersten Bauchschmerzen zur Party drängten.

Irritiere

Hinter den perplexen Zuständen liegt der Rand der Fassungslosigkeit. Dort entsetzte ich mich auf ein Bänkchen, verdatterte die Zeit und fütterte die Irritiere, die um diese Zeit schon aus dem Häuschen waren. Als es Nacht wurde, erstarrte ich in den konsternierten Himmel. Dann bestürzte ich mich in die Tiefe. Als ich unten ankam, war ich platt. Alles verwirrt schon wieder gut.

Für einen Moment

Trinken wir auf die Zukunft. Auf Dich. Auf mich. Auf alle, die gute Besserung wollen. Das Glas gestrichen voll wie die Schnauze. Ignorieren wir die unruhige Gegenwart und lassen den Kopf einfach nur Gesicht sein. Vergessen wir die Seufzer, die uns begleiten, so lang und tief wie Monate. Schluss mit dem nebligen Herumrealitäten. Wagen wir eine Expedition zum Ruhepol und tragen die Hoffnung als Warnweste. Gehen wir einen Schritt voran, auch wenn die Beweggründe unklar sind. Gehen wir mit der Zeit, die uns bleibt, und fragen regelmäßig nach Sonnenschein. Für einen kurzen Moment, zum Wohl.

In Grenzen

Den nackten Tatsachen ist kalt. Zittrig krabbeln sie über den Boden. Mit ihren dünnen Ärmchen sammeln sie belastendes Material. Du legst dich zu ihnen, die Realität gewinnt immer.

Du hälst dich in Grenzen. Es ist unbequem. Manchmal liegst du falsch, und manchmal irrst du dich einfach nicht gründlich genug. Die Welt bewirft dich mit Ereignissen, und du schickst ein dürres Nein in die bleiche Unbenanntheit der Tage. Die Stimmung ist recht vage.

Du hälst dich in Grenzen, durchwanderst die beschädigten Stellen der Hoffnung, kollabierst durch fragwürdige Situationen im Kopf und fragst dich, ob du vielleicht sogar hier wohnst und nicht nur auf der Durchreise bist. Du verlierst Worte wie Richtung. Wie war noch mal der Weg ins Innere der Geduld?

Du hälst dich in Grenzen. Die Wirklichkeit streikt, aber das ändert nichts an den Tatsachen. Und da liegst du nun auf der Nordseite der klaren Gedanken, ungefähr hundert Wunder vom Allesistgut entfernt. Du weißt, wie groß die Zukunft ist, wie wandelbar der Zweifel. Zweihundert Wunden später blickst du müde auf die Umstände und übst dich in Bemerkungen. Komm, lass uns etwas Irreales in die Welt bauen. Es werden uns noch viele gute Dinge bevorstehen. Bis dahin aber erhärten sich die Kopfschmerzen vom ganzen Aushalten.

Glücksmomente

Es ist wieder ein Tag, irgendeine Woche. Der Monat: egal. Statt Jahreszeiten gibt es Wellen. Der Realitätssinn blubbert spröde durch die Wahrnehmung. Menschen wabern, die Welt bewirft dich mit Ereignissen. In der Ferne fliegt ein Luftballon und unterstreicht die raren Glücksmomente sozialer Wirklichkeit. Vereinzelt segeln Blätter von den Bäumen. Vor der Apotheke stehen Menschen Schlange, um sich mit Definitionsmittel einzudecken. Auf dass alles bald wieder eine Bedeutung bekommen möge.

Das Erreichbare

Die Wirklichkeit ist porös,
seltsam sind die Verhältnisse.
Auf der Nordseite der Gewohnheit
tropfen lange Schatten
in die zerfurchten Monate.
Es ist noch viel Geheimnis um das Erreichbare.

In den Flusen des Alltags
spielen die Milben der Erkenntnis
einen feschen Schallundrauchtango.
Geduldsfäden verheddern sich
im Labyrinth der Umstände.
Ambitionen spielen Verstecken.
Es ist noch viel Geheimnis um das Erreichbare.

Mit jedem Blick in den Spiegel
kommt man sich verändert vor.
Die Hände greifen ins Gesicht
und bewegen sich darin,
als würden sie es immer noch suchen.
Der Körper umrahmt von Weltgeschehen.
Es ist noch viel Geheimnis um das Erreichbare.

Stimme

Es ist unbequem in dieser unübersichtlichen Landschaft am Rande der Orientierung. Die klare Vorstellung zieht müde als nostalgischer Nebel vorbei. Nirgends ein Glanz, nirgends ein Gedanke, der anmutig durch den unbekannten Teil der Hoffnung hopst. Während du dich gefasst machst, möchte ein Teil von dir der allgemeinen Verkorksung die flache Hand an die Stirn nageln. Der Kopf ist nur zum Schütteln da. Wenn es hochkommt – und manchmal kommt es einem hoch – reichen zehn Stimmen für die eigene nicht aus.

Belanglos

Unter den goldenen Triumphbögen der Müdigkeit marschiert der Alltag. Menschen führen ihre Lappalien Gassi, sind oder werden, wachsen oder sinken mit ihren Ansprüchen. Umsätze werden gemacht oder nicht. In den Köpfen und Regalen stapeln sich Dinge. Hin und wieder gähnt dort die Leere. Männer oder Frauen sondern sich oder etwas ab und wischen wichtig über das Glas ihrer Invergessenheitgeräte. Die Bäume winken dem Geschehen blättrig hinterher. Stille ist nirgends zu hören. Der Asphalt tut belanglos.